Ein Akkuschrauber für alle: Wie WGs und Nachbarschaften ihre Technik gemeinsam anschaffen
Photo: flat share roommates sharing power drill tool common area, via pop.h-cdn.co
Ein Bohrmaschine-Ordnungswert: laut GfK-Haushaltsstudie besitzt rund jeder vierte deutsche Haushalt eine Bohrmaschine – und benutzt sie im Schnitt nur wenige Minuten pro Jahr. Dazu kommen Staubsaugerroboter, Dampfreiniger, Labeldrucker, die Kamera für den einmaligen Urlaub. Ein Schrank voller Geräte, die auf ihren großen Auftritt warten.
Was läge näher, als diese Geräte nicht vier-, fünf- oder sechsmal anzuschaffen, sondern einmal – gemeinsam? Genau das passiert inzwischen in vielen WGs, Doppelhaushälften und Nachbarschaften. Wir haben uns umgehört, wie das praktisch läuft.
Die WG als Mini-Mietstation
In einer Fünf-Personen-WG in Leipzig-Connewitz wird seit zwei Jahren nach einem simplen Prinzip entschieden: Alles, was über 50 Euro kostet und nicht täglich benutzt wird, wird angeschafft, wenn mindestens zwei Bewohner es nutzen wollen. Die Kaffeemühle? Alleinbesitz. Der Akkuschrauber mit Bohrfutter? Gemeinschaftseigentum, lebt im Flur-Regal. Der Drucker? Wurde gebraucht gekauft für 30 Euro – und wird seither von allen fünf geteilt, meist für Bewerbungsmappen kurz vor Semesterende.
„Das Schöne ist: Niemand fragt mehr, ob er kurz was ausleihen darf. Es steht uns ja allen zu“, erzählt Bewohnerin Malin. Konflikte gebe es kaum – weil die Regeln schriftlich festgehalten seien.
Die Regeln, die wirklich funktionieren
Genau da liegt der Knackpunkt. Technik teilen klingt harmonisch, scheitert aber oft an Kleinigkeiten: Wer haftet, wenn der Saugroboter den Teppich zerkratzt? Wer kauft Tinte nach? Die WGs und Paare, bei denen es funktioniert, haben drei Dinge gemeinsam:
1. Ein sichtbarer Ort. Gemeinschaftsgeräte leben nicht im Zimmer, sondern im Flur, Keller oder Arbeitszimmer – dort, wo alle hinkommen. Versteckte Geräte werden vergessen.
2. Eine kurze schriftliche Vereinbarung. Muss nicht notariell sein. Ein Zettel am Gerät oder eine Notiz in der WG-Gruppe reicht: Was gehört der Gemeinschaft, was darf wer damit machen, wer kümmert sich um Verbrauchsmaterial und Reparaturen.
3. Eine Anschaffungs-Schwelle. Ab welchem Betrag wird gemeinsam entschieden? In den meisten Konstellationen liegt sie zwischen 30 und 80 Euro. Darunter: einfach kaufen, nachfragen reicht.
Über die WG hinaus: Das Nachbar-Modell
Noch spannender wird es zwischen Haushalten. In einer Doppelhaushaltssiedlung bei Hannover teilen sich zwei Familien einen Dampfreiniger, eine Leiter und eine Rasenkantenschere. Aufbewahrt wird abwechselnd, ausgeliehen per kurzer Nachricht. „Früher hätte jede Familie das dreimal gekauft“, sagt einer der Beteiligten. „So haben wir am Ende Geräte, die besser sind, als wir sie uns einzeln leisten würden.“
Das ist der oft übersehene Nebeneffekt: Wer sich ein Gerät teilt, kann sich das bessere Modell leisten. Statt drei Billig-Akkuschrauber, die nach zwei Jahren im Elektroschrott landen, einer Solide mit Wechselakku – der reparierbar ist und Jahre hält.
Gebraucht kaufen, gemeinsam nutzen
Die Kombination aus Second-Hand und Sharing ist dabei der eigentliche Hebel. Ein gebrauchter Drucker für 25 Euro, ein Miele-Staubsauger vom Flohmarkt, ein Profi-Akkuschrauber von der Plattform nebenan – gebrauchte Geräte sind ideal für Gemeinschaftsanschaffungen, weil der Verlust bei einem Defekt überschaubar ist und sich niemand ärgern muss, „sein“ teures Neugerät herzugeben.
Unser Tipp für die Anschaffung: Prüft bei Gebrauchtgeräten, ob Ersatzteile und Verbrauchsmaterial noch erhältlich sind – gerade bei Druckern und Saugern entscheidet das über die Lebensdauer. Und: Akku-Geräte möglichst mit zwei Akkus kaufen, das nimmt der geteilten Nutzung den größten Stolperstein.
Checkliste für eure Teilungs-Vereinbarung
Bevor ihr das nächste Gerät gemeinsam kauft, klärt diese fünf Punkte:
-
Eigentum: Wem gehört das Gerät bei einer Trennung oder beim WG-Auszug? (Häufigste Lösung: Der Aussteigende wird ausgezahlt.)
-
Verbrauchsmaterial: Wer zahlt Tinte, Filter, Akkus? (Oft: die Gemeinschaftskasse oder ein kleiner Umlage-Topf.)
-
Pflege und Reparatur: Wer bringt das Gerät zum Repair-Café, wer reinigt es?
-
Beschädigung: Übernimmt der Nutzer das Risiko, solange er das Gerät benutzt? (In der Praxis: Ja, bei grobem Unfug.)
-
Ausleihe nach außen: Dürfen Freundinnen und Nachbarn das Gerät mitnehmen? Besser vorher klären als hinterher streiten.
Was das bringt – in Zahlen
Rechnen wir grob: Ein durchschnittlicher Haushalt gibt jährlich mehrere hundert Euro für Haushalts- und Werkzeuggeräte aus, von denen ein großer Teil selten bis nie läuft. Teilen sich zwei Haushalte die Anschaffung, halbieren sich Kosten und Elektroschrott – und laut Umweltbundesamt landen in Deutschland jährlich hunderte Kilotonnen Elektrokleingeräte im Müll, vieles davon kaum benutzt.
Zwei Hände, ein Gerät: Das ist vielleicht die entspannteste Form von Nachhaltigkeit, die es gibt. Kein Verzicht, keine Dogmen – einfach weniger Zeug, das jeder einzeln besitzt. Und nebenbei ein guter Grund, mal wieder beim Nachbar zu klingeln.